Unternehmen Sie eine Reise in das alte Dudenhofen...in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen
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in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...
und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen

Kirchengeschichte

Die Luther-Rose im Wappen Dudenhofens als auch in dem der Stadt Rodgau unter den roten Sparren des Hanauer Emblems deutet auf die einstige Zugehörigkeit unserer Gemeinde zur Grafschaft Hanau und auf ihren damit verbundenen protestantischen Glauben hin.

Die erste urkundliche Erwähnung findet Dudenhofen 1278 in einem urkundlichen Vergleich des Erzbischofs Werner von Mainz mit den Herren von Eppstein. Verschiedene Benennungen sind bekannt: von Totenhofen (1303) über Dudenhouen (1485) bis zum heutigen Dudenhofen (1527). Über die Anfänge unserer Kirchengemeinde sind in der Gemeinde kaum noch Unterlagen vorhanden: wir wissen allein, daß das Hessische Ortsnamenbuch für 1310 einen gewissen Heinzius als "Pleban", als Pfarrer der damals zunächst katholischen Kirchengemeinde, verzeichnete.

Später hat sich in Dudenhofen als einer Enklave schon sehr früh die Reformation nach der lutherischen Lehre durchgesetzt, gefördert wohl durch den Umstand, daß in Babenhausen Erasmus Alberus, ein enger Freund Luthers, als Seelsorger wirkte.

Bereits 1550 soll Dudenhofen eine selbständige Luther-Pfarrgemeinde mit einem eigenen Pfarrer - einem Elias Preis - gewesen sein. Vorher gehörte sie zur katholischen Pfarrei Ober-Roden.

Das erste Kirchenbuch

Das erste Kirchenbuch datiert von 1556. Lückenlos bis zur Gegenwart lassen sich für die Folgejahre Taufen, Heiraten und kirchliche Begräbnisse feststellen. Außerdem haben die Pfarrer im Laufe der Jahrhunderte manche erwähnenswerte Begebenheit in den Kirchenbüchern festgehalten, so beispielsweise die Einträge im Sterberegister. Unter anderem lesen wir dort, daß zwei Zwillingsschwestern am 6. März 1738 sieben Stunden voneinander an der "hitzigen Brustkrankheit" starben. Sie waren ebenfalls sieben Stunden voneinander "zu neuer Zeit" geboren worden. Lediglich während des 30jährigen Krieges wurden von 1634 bis 1648 die Aufzeichnungen der Kirchengemeinde im Amt Babenhausen weitergeführt.

30jähriger Krieg

Vor dem 30jährigen Krieg war Dudenhofen ein unbedeutendes, aber wohlhabendes, Dorf mit etwa 430 Einwohnern. Im Oktober 1621 bekam es nach der Besetzung der Orte Langstadt, Schaafheim, Kleestadt, Altheim und Harpertshausen mit 8000 Soldaten zum erstenmal die Härte des Krieges zu spüren, denn die Soldateska plünderte in den umliegenden Orten - so auch im Rodgau - alles, was nicht niet - und nagelfest war.

Am 24. Juni des Jahres 1622 kamen Teile von Tillys Heer ( das Regiment Graf Fürstenberg) in den Rodgau und brachten Not und Elend mit sich. Alles Vieh und sämtliche Naturalien wurden entwendet, so daß in jenem Jahr 155 Menschen an Hunger und Krankheit (vorwiegend an der Pest) starben. 1634 gab es abermals 104 Pestopfer. Die Familien Herold, Wüst, Krieg, West und Selig starben aus. Dazu kam noch, daß die Kaiserlichen in der hiesigen Gegend einfielen und die Lutheraner mit Drangsal dem Katholizismus zuzuführen suchten.

Die Dudenhöfer waren von den plündernden Haufen und deren Greuel so entsetzt, daß sie lieber Haus und Hof verließen, um ihrer angestammten Konfession treu bleiben zu können. Zu dieser Zeit war ihnen ihr Pfarrer Perschbacher eine große Stütze. Er wanderte mit seinen noch 168 Gemeindegliedern nach Babenhausen, weil er hier Schutz zu finden glaubte. Dort starben die meisten Dudenhöfer während der Belagerung bis zum Ende des Krieges - insgesamt 120, weitere 22 sind verschollen. Die Dudenhöfer Gemarkung lag sieben Jahre wüst. 1642 kam als erster Hans Kratz aus Kleestadt und begann mit dem Ackerbau. Von ihm stammen alle ab, die den Namen Kratz tragen. Nach und nach kehrten die 26 noch in Babenhausen lebenden Dudenhöfer in ihren Heimatort zurück. Es waren dies Martin Hartmann, Johann Resch, Johann Nenner, Johann Kämmerer und deren Familien.

Im letzten Jahr des Krieges 1648 zog der Kaiserliche General Montecuccoli mit fünf Regimentern heran; er wollte seine Soldaten in Babenhausen einquartieren. Da jedoch deren Unterbringung und Versorgung nicht möglich war, ließ er die noch vorhandene Nahrung plündern und Dudenhofen, Kleestadt und Langstadt niederbrennen. In Dudenhofen fielen dem 20 Häuser und 38 Scheunen zum Opfer. Kein Gebäude blieb unbeschädigt. Dudenhofen, das an herausragenden Begebenheiten arm ist, erlebte indessen auch im Positiven Bedeutsames und Erfreuliches - so 1769 den Baubeginn und 1770 die Einweihung unserer neuen Kirche. Das ursprünglich noch während des Papsttums erbaute Gotteshaus war zu dunkel und für die wachsende Gemeinde zu klein geworden. Anfang des Jahres 1760 erfolgte die „hohe" Genehmigung zum Neubau mit der Anweisung, nach dem vorgelegten Bauriß zu Werke zu gehen.

Der Bau geht weiter

Obschon die Geldmittel sehr gering waren, gedieh der Bau dennoch, weil die Einwohner bereitwillig die erforderlichen Materialien heranschafften. Sandsteine wurden mainabwärts bis Seligenstadt befördert, von wo sie die Landleute mit großem Einsatz nach Dudenhofen transportierten. Ein Mann beispielsweise hatte bereits 99 Fuhren geleistet und gern würde er die 100. noch hinzugefügt haben, wenn es nötig gewesen wäre. So groß war der Glaubenseifer, der uns als Nachkommen der damaligen Geschlechter eigentlich beschämen müßte.

Die evangelische Kirche ruht auf einem festen Fundament - zahlreiche Eichbäume wurden neben - und übereinander aufgeschichtet auf welchem sich der steinerne Bau erhebt und allen Zeitstürmen getrotzt hat. Mit Erlaubnis des Konsistoriums in Hanau wurde für die Kirche kollektiert. Die Kollektanten sammelten teilweise in der Provinz Starkenburg, in der Wetterau und wanderten zu diesem Zweck selbst bis nach Eisenach und Gotha, um die Freizügigkeit der Bauern zu beseelen nach der Aufforderung Jesajas: Bittet, so wird euch gegeben. Sie brachten jedoch in jener an Glauben reichen aber an Geld sehr armen Zeit nur wenige Taler zusammen. Am 15. März 1769 wurde der erste Stein gelegt.

Nach einer in den Papieren des Feldgeschworenen Wendel Weitz vorgefundenen Notiz war der dabei gehaltenen Weihrede der Text 1. Moses zugrunde gelegt. Im August 1770 war der Bau vollendet. Am 9. September fand die feierliche Einweihung statt. Der damalige Pfarrer Fischer hat den Einweihungsakt wie folgt aufgezeichnet: „Die ganze Gemeinde ging unter dem Zusammenläuten, so um 10 Uhr geschehen, von der Herrschaftlichen Zehend Scheuer aus, welche bisher der Versammlungsort nach dem letzten Ostertag vergangenen Jahres das letztemal in der alten Kirche Gottesdienst gehalten worden in folgender Ordnung: Erstlich gingen die Schulmeister mit den Schulknaben, hierauf folgten die jungen Mädchen, voran die Konfirmierten, aufgebunden waren sodann die jungen Burschen, ferner die jungen Weiber, dann die jungen Männer, weiter die alten Weiber und endlich die alten Männer, worauf Schultheis mit dem Gerichte wie auch Kirchenältesten und Baumeister gingen, welche letzteren Gefäße und Kirchenbücher in Händen trugen und letztlich machte der Pfarrer des Amtes den Beschluß.

Prozession

Vor der ganzen Prozession wurde das Lied gesungen: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut." Man erreichte hierauf in solcher Ordnung die Kirche, allein die Hornisten des Hochfürstlichen Hanauischen Regimentes, so eigens dazu erbeten und gedinget waren, beim Eintritt die Gemeinde mit einer schönen Instrumentalmusik bewillkommeten und erfreuten. Nach diesem wurde das Lied: ,.Allein Gott in der Höh sei Ehr" gesungen und nach dessen Endigung verfügten sich ihrer Hochwürden der Herr Superintendent Stockhausen an den Altar und tat an ein geistreiches und rührendes Einweihungsgebet. hierauf wurde der Gesang: „Nun Lob mein Seel dem Herren" angestimmtund abgesungen. Worauf der Pfarrer des Amtes Johann Wilhelm Fischer von der neuen Kanzel den eingeschriebenen Text: I. Preg. VIII, 57,58 eine kurze Predigt hielt und solche mit einem auf diesen Umstand abzielenden Gebet beschloßen. Der übrig gebliebene Text von dem Lied „Nun Lob mein Seel dem Herren" wurde nun auch gesungen und darauf hielten ihrer Hochwürden, der Herr Superintendent, eine schöne und erbauliche Predigt über die Worte Johannes XIV, 23 „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen."

Der anbesinnliche Lobgesang: „Herr Gott dich lieben wir " wurde sodann unter Trompeten und Instrumentenschall abgesungen. Letztlich wurde der Anfang der Katechisation von dem hiesigen Pfarrer aus dem ersten Hauptstück der Katechismen wie befohlen war, es gemacht und setzten hernach der Herr Superintendent solche Arbeit nach einiger Zeit fort, bis endlich die verflossene Zeit die Beendigung dieser Feierlichkeiten notwendig machten, da es allbereits 3 Uhr geschlagen hatte. Die Gemeinde wurde nach angefügter nochmaliger nachdrücklicher Ermahnungsrede ihrer Hochwürden mit dem Kirchensegen entlassen und alles mit dem Vers „Unsern Ausgang segne Gott' beschlossen. Die hierbei erhobene Kollekte hat betragen 54 Gulden. Die Kirche Dudenhofens ist schön, freundlich und geräumig und hat 4 Abteilungen mit Schiff, in denen abgesondert die Mädchen, die Jungen, die älteren und die ältesten Weiber sitzen."