Unternehmen Sie eine Reise in das alte Dudenhofen...in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen
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in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...
und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen

Evangelische Kirche

 

Hort des Glaubens,
Kern der Gemeinde,
Hoffnung für Gegenwart und Zukunft
Evangelische Kirche - erbaut 1769

 

Luftaufnahme der Kirche und des alten Pfarrhauses vom 25.Oktober 1957. Deutlich zu erkennen ist die Eingangstreppe von der Kirchgasse und der Pavillon im Pfarrgarten.

 

Die etwa um 1930 gemachte Aufnahme zeigt, dass der Kirchenplatz mit seinem weißen Lattenzaun alles andere als schön war. Links die alte Schule. Dahinter das Rektorhaus - ehemals Lehrerwohnung bzw. Dienstzimmer des Bürgermeisters - Kirche - Spritzenhaus und Kamin des Backhauses. Hinter dem Lattenzaun das am 11.Juli 1909 eingeweihte Kriegerdenkmal, die "Germania", das zur Erinnerung an die Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 errichtet wurde. Bei der Neugestaltung des Kirchenvorplatzes wurde das Denkmal und das Back- und Spritzenhaus abgerissen.

 

Dokumente aus der Zeit zwischen 1487 und 1600 sind irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, während des Zweiten Weltkrieges in der Kirche eingemauert worden. Bei der Renovierung 1969 wurden sie entdeckt und gelangten 1977 in den Besitz der Kirche.

 

 

Nach den Aufzeichnungen der avangelischen Kirchengemeinde wurde die erste Glocke im Jahre 1622 gegossen. Sie war auf c gestimmt und wog 422 Pfund. Die Inschrift lautete: "Ich will hoffen, Gott wird mich lassen hören zu Dudenhofen zu seiner großen Ehren. - Mich goss Johann Wagner zu Frankfurt am Main 1662". Als man im Jahre 1812 die alte Pfarrkirche zu Seligenstadt abtrug, erwarb Dudenhofen die Glocke dieser Kirche für 750 Gulden. Sie wog 1200 Pfund und war auf Ton a gestimmt. Die dritte Glocke stammt aus dem Jahre 1844, sie wurde von Jakob Bastelli in Aschaffenburg gegossen und wog 704 Pfund. Weil sie einen unreinen Ton hatte, der zwischen b und h lag, und die am 20. Juni 1812 in Seligenstadt erworbene Glocke einen Sprung von 27 cm bekam, wurde beschlossen, die drei Glocken auszutauschen. Unter Anrechnung der alten Glocken lieferte die Gießerei Hamen in Kaiserslautern drei neue Glocken für 3078 Gulden. Sie waren auf die Töne d,f und a gestimmt und wogen 2471, 1466 und 743 Pfund.

Die Glockenweihe fand am 28. April 1873 statt. 1917, im Ersten Weltkrieg, mussten die drei großen Glocken abgeliefert werden, weil man daraus Granaten anfertigen wollte. Erst 1921 bekam Dudenhofen wieder neue Glocken, die auf die Töne d und f gestimmt und 2522 und 1528 Pfund schwer waren. Kosten: 15175 Mark. "Glocken zu Kriegsmaterial" statt Schwerter zu Pflugscharen - dieses Schicksal erfuhr Dudenhofen ein weiters Mal, denn die großen alten Glocken wurden auf Geheiß der damaligen Machthaber im Jahre 1943 eungeschmolzen und zu Kriegsgerät verarbeitet. Seit diesen Tagen vermisste man in Dudenhofen den altvertrauten Klang unserer Glocken. Bald nach der Währungsreform von 1948 wurde mit dem Sammeln für ein neues Geläut begonnen.

Die drei neuen Glocken wurden nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Glockengießerei Martin Rinkert in Sinn/Dillkreis in Auftrag gegeben und auf die Töne e, g und c gestimmt. Vom Gesamtbetrag - 12686 DM - wurden durch Sammlungen 9897 DM und der Rest von 2789 DM von der Gemeinde aufgebracht. Am 10. Mai 1950 lieferte die Glockengießerei in den Abendstunden die Glocken mit einem Lastwagen an der ehemaligen Dreschhalle in der Mainzerstrasse an. Dort übernahm sie Karl Kühnle auf seinem mit Girlanden und blauweißen Fähnchen geschmückten Pferdefuhrwerk. Über ein befeuchtetes Brett ließen die Männer die Glocken auf Karl Kühnles Pritschenwagen gleiten. Am ersten Pfingstfeiertag, dem 28. Mai 1950, wurde das Vierklang-Geläute von Probst Rau eingeweiht.

 

Auf dem Bild lenkt Karl Kühnle den Vierspänner, von der Dudenhöfer Bürgerschaft willkommen, mit der kostbaren Ladung durch die Strassen von Dudenhofen.

 

Die stolzen Reiter beim Glockengeläut sind: Toni Knopf (Petzinger) und Karl Kühnle. Dahinter das jahrhundertalte Kämmerer-Haus, Nieuwpoorterstrasse 97. Letzter Eigentümer war Ludwig Fengel. Das Gebäude wurde wegen Baufälligkeit abgerissen.

 

Die Einweihung der Glocken am 1. Pfingstfeiertag 1950 war, wie auch in anderen Orten üblich, der Anlaß, ein Glockenfest abzuhalten. Der Festplatz lag am alten Sportplatz im Waldgebiet zur "Gänsbrüh" hin. Dort stand eine DRK-Hütte, die später der neuen B45 weichen musste. Auf dem Foto ist Herrmann Klein mit seiner Mutter zu sehen, als er den Festbesuchern seine "italienischen Eisspezialitäten" anbietet.

 

Pferdegespann vor dem Festwagen mit Christian Heinrich Petzinger als Fuhrmann und dem aus Dudenhofen gebürtigen Münchner Adolf Treifenbach, der, wie auch viele andere Dudenhöfer, die auswärts wohnen, seinen Obulus zur Beschaffung der Glocken entrichtet hat.