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Kartoffelernte

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Sechs Uhr aufstehen, sieben Uhr Abmarsch zum Kartoffelacker mit Hacke (Hekel), zehn Säcke in einer Manne (Korb) und diesen in die Zinken gehängt. Auf dem Acker Beginn des Ausmachens (Aushacken) und die Kartoffeln auf Reihen (Schlote) gelegt. Kartoffelkraut teils sofort entfernt oder vor dem Auflesen abgeräumt. Die Kartoffeln wurden in weiße Säcke gefüllt. Diese waren früher aus handgewebtem Leinen, ähnlich wie die damals weißen Frucht- und Getreidesäcke. Später wurden sie durch grobgewebte Düngesäcke ersetzt.

 

Um neun Uhr wurde gefrühstückt: Butterbrot mit Käse, oft selbst gemachter Handkäse und Latwerge. Das Frühstück wurde schon morgens mit auf den Acker genommen. Zwischen elf und zwölf Uhr kam dann der Essenwagen (Fuhrwerk) und brachte das Mittagessen. Danach wurde wieder aufgelesen. Das Auflesen war vornehmlich Frauenarbeit, allenfalls leerte ein Mann die Körbe und füllte sie in Säcke. Die Männer hackten die Kartoffeln aus. Gegen 17 Uhr wurde die Arbeit beendet. Von Laternen beleuchtete Fuhrwerkkolonnen wälzten sich aus dem Bruchfeld oder den Röttern dem Dorf zu. Zu Hause begann dann die schwerste Arbeit, das Abladen in den Keller. Auf den Feldern brannte dann noch, weithin sichtbar, das dürre Kartoffelkraut. Die größeren Betriebe hatten ihre ständigen Erntehelfer. Es waren Tagelöhner, die meistens aus dem Spessart, aus Gunzenbach (Gunzemich), Hohl und Möbris kamen. Der Tagelohn war ein Sack (Zentner) Kartoffeln. Die Kartoffelernte dauerte ungefähr drei Wochen. Erst als gegen Ende der fünfziger Jahre die ersten Erntemaschinen aufkamen, wurde die Arbeit erleichtert. Der Einzug moderner Gerätschaften war zugleich begleitet von dem Auszug vieler Menschen aus der Feldarbeit - ihre körperliche Arbeit wurde entbehrlich, die Felder weitgehend menschenleer. Vom aktiven Nutzer der Natur wurde der Mensch mehr und mehr zu ihrem passiven Betrachter -

und das meist nur am Wochenende.