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Getreideernte im Laufe der Zeiten

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Die Zeit vom Handmähen und Handdrusch bis zum heutigen Mähdrescher umfaßt Jahrzehnte. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Getreide bei der Ernte ausschließlich mit der Sense, also von Hand, gemäht. Dazu wurden die Reffe (vermutlich von „raffen" abgeleitet) und die „Klecksichel" zum Aufnehmen der gemähten Haltre verwendet. Es gab zwei Arten von Reffen: Das Zinken- und das Bogenreff, das handelsüblich erworben werden konnte. Das Zinkenreff wurde vom Wagner (Stellmacher) angefertigt. Am Sensenwurf wurde ein korbähnliches Gestell befestigt, um das Getreide gleichmäßig abzulegen, wozu es einiger Fertigkeit des Mähers bedurfte. Dieser sorgsame Arbeitsvorgang war insofern wichtig, um das „Kleckern" (das Auf- und Abnehmen des gemähten Korns) zu erleichtern - eine Arbeit, die meistens von Frauen oder älteren Kindern verrichtet wurde.

 

Das aufgenommene Getreide wurde nicht wie später auf die Stoppeln des Getreides abgelegt. Es mußte streng darauf geachtet werden, daß keine Ähren auf dem Ackerboden lagen, um einem Auswuchs vorzubeugen. Das Getreide blieb einige Tage liegen, um es nachreifen zu lassen. Hierzu wurde es je nach Wetter ein oder mehrere Male gewendet. Dies geschah mit eigens dazu gefertigten Stangen oder Heurechengabeln. War das Korn dann einfuhrreif, wurde es aufgenommen, mit Seilen in Garben gebunden und in die Scheunen eingefahren. Die Seile wurden im Winter von den Bauern aus handgedroschenem Stroh gefertigt.

 

Das Zusammenbinden und das Knoten der Gebunde (Garben) geschah mittels eines Bindenagels („Bendnoul"). Er war ein selbstgefertigter, an einem Ende zugespitzter Holzstab von 60-70 cm Länge. Nicht nur das Binden, auch das Beladen der Wagen mußte verstanden sein, um der Wagenladung, der „Schicht', die nötige Festigkeit zu geben. Schon ein „Geläi" zu viel konnte bei der Heimfahrt von Übel sein.

 

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Getreide schon beim Mähen in Gebunden aufgestellt. Der erste Bauer in Dudenhofen, der diesen Versuch wagte, war der Schreiner Heinrich (Philipp Heinrich Mahr) in der Hauptstraße 133. Anfangs wurde er beliichelt, aber bald machten es ihm alle nach.

 

Ein weiterer Schritt zur Modernisierung der Getreideernte war der Umbau von Grasmäh- zu Erntemaschinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die ersten Selbstbindermaschinen auf den Markt. Sie mähten, bündelten, banden und warfen die fertigen Garben aus. In den fünfziger Jahren gab es dann den großen Durchbruch: die Vollerntemaschine (der Mähdrescher) wurde - wie auch heute - eingesetzt. In Dudenhofen hatten sich die Bauern Mahr, Hartmann, Klein und Kämmerer zur ersten Erntegemeinschaft zusammengeschlossen - damals eine Art Sensation.