Unternehmen Sie eine Reise in das alte Dudenhofen...in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen
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in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...
und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen

Unsere Kerb - damals

Längst hatten die Orte ringsum sie schon gefeiert, da rüstete man sich - am zweiten Sonntag im November - kurz vor Schluß des Kirchenjahres hier zum festlichen Höhepunkt des Jahres zur Kirchweih. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein, denn Dudenhofen war das Dorf, das bis in die jüngste Vergangenheit von landwirtschaftlichen Erfordernissen geprägt war. Nach wie vor will der Dudenhöfer seine Kerb feiern, und zwar gründlich. Das kann und konnte man aber nicht im Sommer zur Zeit der Heu- oder Kornernte. Noch viel weniger im Herbst, wenn Kartoffeln und Rüben eingefahren wurden. Schließlich mußten die Felder noch vor dem Winter bestellt werden. Nach getaner Arbeit also konnte gefeiert werden.

In früheren Jahren ging es auf der Kerb noch hoch her, und bis zum Jahr 19 12 wurde sie mitten in der Woche gefeiert. Meistens fiel sie auf den „preußischen" Buß- und Bettag, der im damaligen Großherzogtum ein Feiertag war. Dieser Zeitpunkt ermöglichte auch vielen Auswärtigen einen Besuch unserer Kerb.

Sonntags wurde die Kerb „angetrunken", der Kerbbaum geholt, den Mädchen mit bunten Bändern geschmückt hatten Vor dem Wirtshaus, in dem der Kerbtanz stattfand, wurde der Baum bei den Klängen einer Musikkapelle aufgestellt. Am Dienstag begann dann das eigentliche Fest. Bis es aber soweit war, hatten die Frauen viel zu tun. denn vom Keller bis zum Dachboden wurde das ganze Haus geputzt, Kerbkuchen gebacken, und so manches Schwein mußte sein Leben lassen. Es war auch der Zeitpunkt, wo umgezogen, „gewannert" wurde, denn die jungen Paare wollten zur Kerb auch in ihrer neuen Wohnung sein.

Endlich war dann der langersehnte erste Kerbtag, der Dienstag, gekommen. Mittags kam der Besuch der Verwandten aus der Stadt oder der Umgegend und da die Dudenhöfer schon immer gastfreundlich waren, ließen sie sich dieses auch etwas kosten.

Um drei Uhr mittags begann der Kerbumzug. Die „Kerbborsche" mit Zylinder und Gehrock („Geste hinner mich") aus Vorväterzeiten zogen mit Musik durch das Dorf. Am Kerbbaum machte man Halt. Der Sprecher bestieg eine Leiter und verlas den Kerbspruch. Dabei wurden Ereignisse des vergangenen Jahres glossiert und mancher mußte beim Gelächter des anderen seine „Schandtaten" hören. Danach zog die Jugend in den Saal und der Tanz begann, der sich bis in die Morgenstunden des folgenden Tages hineinzog.

Am zweiten Tag war Markt. Die Hauptstraße entlang waren Verkaufsstände aufgebaut. Da gab es „Dippe aus Orwisch" (Urberach), Stoffe, Schuhe, Peitschen, Geschirr und Spielwaren. Mittags war wieder Tanz. In den Wirtschaften fanden sich Gaukler ein, die ihre Kunststücke für ein geringes Entgeld vorführten.

Nach Beendigung der Kerb wurde diese „begraben". Junge Burschen brachten eine Flasche Wein, die mit „Geheul und Wehklagen" unter dem Kerbbaum begraben wurde, um im nächsten Jahr bei Beginn der Kerb wieder hervorgeholt zu werden.

Am „Kerbowend" hot so mancher Dietzebächer, Harreshäuser, Harpertshäuser, Sickehäiwer un Herschershaiser Kerbbesucher zwaa drei Geläi Kuche un etliche Brotwärscht unnerm West hamgedraht.

Eintägig Heu, zweitägig Grummet und dreitägiger Kerbbesuch taugt nichts.

 

 

Die Kerbgesellschaft vor der Wiener Spitz etwa im Jahre 1907. Vorne mit Schürze: "Born-Funk" und "Born-Gretchen".

 

"Kerbborsch" - diesen Titel nahmen die jungen Männer sehr wichtig. Das Bild zeigts.

 

Komm auf die Schaukel Luise.

 

Dieser festlich geschmückte Kerbwagen war einer der ersten nach dem Krieg.

 

Karl Kühnle als stolz reitender "Kerbborsch".