Unternehmen Sie eine Reise in das alte Dudenhofen...in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen
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und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen

Raubmord

an der Tannenmühle

Am 22. April 1890, also vor über 100 Jahren, wurde derDudenhöfer Landwirt Heinrich Eckert einen Steinwurf weit von der Tannenmühle Opfer eines grausamen Raubmordes. Davon kündet heute noch ein Gedenkstein am Tatort im Wald ...

... auf dem es heißt:

Hier in dieser Nähe auf der Strasse musste
Heinrich Eckert
Landwirt aus Dudenhofen, alt 26 Jahre, am
22. April 1890 zwischen 8 und 9 Uhr
seinen Geist meuchlings raubmörderisch aufgeben.

Die meist mit Gold ausgelegten Buchstaben sind längst verblaßt. Auf der einen Seite ist folgender Vers eingeschlagen:

"Sieh, Wanderer diesen Stein
er soll Dir ein Zeichen sein
was ein Meuchelmörder hat getan
einem braven, edlen, deutschen Mann"

Auf der anderen Seite des Gedenksteins, der sich wie ein Kriminalroman liest, wird auf den Täter hingewiesen. Hier galt das von seinen Gesangskameraden erwählte Schriftwort:

„Mein Freund, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen".

 

Was war geschehen?

Was war geschehen? Der 26jährige Heinrich Eckert, Sohn des Philipp Tickert II., eines tüchtigen, angesehenen und wohlhabenden Landwirts in Dudenhofen, war am frühen Morgen mit seinem mit zwei Pferden bespannten und mit Heu beladenen Wagen von zu Hause weggefahren. Er wollte das Heu in Offenbach verkaufen und auf dem Heimweg eine Fuhre Mist mit nach Hause bringen. Sein Schwager Adolf Muhl wollte ihn auf dem Weg hegleiten. Heinrich Eckert aber lehnte die Begleitung als unnötig ab. Am Nachmittag, als die Familie Eckert in ihrem Zimmer beisammensaß, hatte der Großvater im Sessel eine Vorahnung: "Ich habe das Gefühl, dass eben ein Unglück geschehen ist."

Als Heinrich Eckert Zur vorgesehenen Zeit nicht zurückgekehrt war, beschloß man, der düsteren Ahnung wegen, ihm nachzugehen. Im Nachbarort Jügesheim erfuhr man, dass in der Nähe der Tannenmühle ein Mann auf der Straße liege, der tot sei. dass kam auch schon der mit Mist beladene Wagen, von zwei Pferden gezogen, die ohne Fuhrmann auf dem Weg nach Dudenhofen waren. In der Nähe der Tannenmühle fand man den Toten Heinrich Eckert. Bei ihm saß der Hausierer Kuhn, der mit Pech, Wagenschmiere und Schuhschmiere handelte. Er war in Dudenhofen gut bekannt, galt als alter, harmloser Mann und wurde auf jede Weise von den Dudenhöfern unterstützt. Besonders im Dause Eckert war er stets willkommen, galt als ein Freund des Hauses und erhielt hier oft sein Essen. Er saß bei der Leiche, kaute an einem Stück Brot und gab auf Fragen keine Antwort. Man nahm an, dass er zufällig hier vorbeigekommen und tief erschüttert über den Tod seines Freundes sei. Schon bald aber stellte sich heraus, dass Kuhn mit seinem leeren Wagen dem Eckert gefolgt war und zuvor mitbekommen hatte, dass Eckert für seine Ladung Heu 95 Mark kassiert hatte. Dieses Geld fehlte dem Eckert - und bei Kuhn fand man etwas später drei 20 - Mark - Stücke in Gold, von denen das eine ein Loch hatte. Ein solches wurde dem Ermordeten bei seinem Heuverkauf ausgehändigt.

Der Verdacht fiel daher unmittelbar auf Kuhn, der bereits eine vierjährige Zuchthausstrafe wegen Totschlags verbüßt hatte. Sehr schnell brachte ihn die alarmierte Bevölkerung auch in Verbindung mit anderen Greueltaten. So an dem angeblichen Mord an dem Landwirt Peter Seum aus Dudenhofen, geschehen in der Gemarkung Messenhausen, so an dem angeblichen Fund einer Frauenleiche in einem Brunnen in Dudenhofen durch eben diesen Kuhn. Unsere Kirchenbücher sagen weder etwas über die Ermordung eines Landwirts Peter Seum noch über den Fund einer Frauenleiche in einem Brunnen. Dafür sind die Zeitungsausschnitte aus der damaligen Zeit umso aussagekräftiger darüber, wie sich Stück für Stück der Verdacht erhärtete, Kuhn sei der Mörder von Heinrich Eckert. Dieser hat den Mord nie zugegeben, bei der Gerichtsverhandlung war er verhandlungsunfähig. Anschließend kam er in eine Irrenanstalt und starb dort.