Unternehmen Sie eine Reise in das alte Dudenhofen...in die alten Straßen und Gassen, damalige Sitten und Gebräuche...und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen
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und stöbern Sie ein wenig durch die Geschichte unseres Dudenhofen

Einzelhandel

Ein „Tante - Emma - Laden" im Jahre 1938, heute Drogerie Kratz in der Friedbergerstraße. Maggi hat überlebt, nicht aber die kleinen Läden. Beim Einkauf über die Theke wurde damals die Ware noch in „Dutte" abgewogen. Das war eine Zeit, als sich im Gegensatz zum heutigen eher unpersönlichen Einkauf in unseren Supermärkten, ein kontaktfreudiges Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer ergab. Ein solcher Laden war dadurch zugleich ein Markt für Nachrichten, auf dem die Ereignisse innerorts zusammengetragen und verbreitet wurden. Damals wurde in diesen kleinen Geschäften fast alles - ob es nun Handkäs, Rollmöpse, Schmierseife, Lakritz, Schulhefte oder Kämme waren - gehandelt. Im Hinterhof konnte man sogar Farben und Pech bekommen. Gar mancher ließ in einem Heftchen seinen Einkauf eintragen und „stotterte" ihn ab -

zu damaliger Zeit für viele sicher eine große Hilfe.

Links: Anna Katharina Kratz und ihre Mutter Ida Fengel.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft und Konkurrenz befand sich seit 1929 ein von Klara und Heinrich Mahr geführtes Lebensmittelgeschäft.

 

Ein paar Häuser weiter, im Anwesen der "Wiener Spitz", hatte Johann Philipp Jäger vor dem Zweiten Weltkrieg seinen ersten kleinen Metzgerladen. Daher heute noch der Name "Spitze-Metzger".

 

Erstes Kiosk an der heutigen Opelstrasse 10, frühere Landstrasse nach Babenhausen, später Gasthaus "Zur Linde" mit Kegelbahn.

 

Das Haus in der Nieuwpoorterstraße 41 war früher eine Gaststätte. Sein Besitzer 1912 war Johann Kratz VII. („Schaabäcker"). Später wurde darin von der Familie Karl Fünkner eine Bäckerei mit Verkaufsraum eingerichtet.

Auf dem Dach dieses Hauses befand sich das letzte Storchennest von Dudenhofen. Da Störche in der Regel nur zwei Junge aufziehen, drei aber ausbrüten, werfen sie das Schwächste aus dem Nest. Ein junger Storch hatte einmal ein Bein gebrochen und wurde in der Gaststätte und Metzgerei „Zur Krone" „verarztet". Das Bein wurde geschient und heilte recht gut. Mit Abfällen aus der Metzgerei wurde er großgezogen. Er blieb, als er gesund und ausgewachsen war, bei seinen Ernährern und spazierte im „Zenthof" umher. Nach einem Blitzschlag 1912, bei dem Scheune und Stallungen niederbrannten, kamen die Störche nicht mehr.

 

 

In dem Haus Nieuwpoorterstrasse 133 lebten früher der Schreiner Heinrich (Mahr) und der Metzger Karl Jäger, lezterer aus dem Gasthaus "Zur Krone" stammend. Im Haus war damals, wie man früher hier sagte, ein "Krämerlädchen" - betrieben vom Schreiner Heinrich. Reis, Zucker, Mehl, Salz und dergleichen wurde aus Säcken oder Schubladen verkauft. Wollte man Lampenöl, musste man Flaschen mitbringen, verlangte man Heringe, war ein Schüssel erforderlich; Sämereien wurden in offenen Säcken angeboten.

 

Das Haus des "Milch-Wolf", Dr. Weinholzstrasse 29, in dem Philipp Adolf Kratz III. 1903 einen Michhandel gründete, der von seinem Schwiegersohn Heinrich Wolf ab 1923 weitergeführt wurde. Damals wurde die Milch mogens und abends mit einem Ziehkarren (Hundegespann) bei den Bauern gesammelt und in einem Wasserbasin gekühlt, bevor sie anderntags nach Offenbach befördert wurde und dort literweise in den einzelnen Haushalten verkauft wurde. Ein mühsames Geschäft, das 1928 mit dem Erwerb eines Autos ein wenig erleichtert wurde.

 

Philipp Adolf Kratz III. mit Messkanne und Messbecher.

 

Anna und Heinrich Wolf mit dem ersten Auto im Jahre 1928. "Du treibst Luxus", war die Meinung eines Bauern, weil Heinrich Wolf sich ein Auto angeschafft hatte, und er lieferte dem Händler fortan keine Milch mehr.

 

Nicht nur den "Milch-Wolf" gab es in Dudenhofen, sondern auch noch die Milchhändler Weitz und die "Milch Anmele". In dem mittlerweile umgebauten und in seinem Äußeren veränderten Haus befindet sich seit 1986 die Rodgau-Notarzt-Zentrale.